Rezension – Nevernight – Die Prüfung – Jay Kristoff

Titel: Nevernight – Die Prüfung
Autor: Jay Kristoff
Verlag: Fischer Tor
Genre: Fantasyroman
Seitenanzahl: 704
Preis:  € [D]22,99€ [A] 23,70
ISBN: 978-3-596-29757-3

Ich danke dem Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!


leserlichkeitIn einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio großgezogen, einem Antiquitätenhändler. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit der Nacht, in der ihre Familie zerstört wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

Quelle: Fischer Tor


meinemeinungWow. Was für eine Geschichte. Lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das mich so begeistert hat. Ich hatte mal wieder richtig Spaß am Lesen und das Buch hat mich wirklich aus einer Leseflaute geholt.

Ja, wie viele andere auch hatte ich zu Beginn Schwierigkeiten in das Buch zu kommen. Das lag vor allem an den ersten Seiten, die auch anders gestaltet sind als der Rest des Buches. Man sollte sich wirklich nicht davon abschrecken lassen. Zum anderen hat Jay Kristoff hier eine eigene komplexe Welt erschaffen, in der man sich erstmal einfinden muss. Drei Sonnen, einen Sonnengott, Schattentiere, Wüstenmonster…

Kristoff lässt den Leser auf eine besondere Weise in diese Welt eintauchen. Zunächst natürlich mit Erzählungen und Erlebnisse der Charaktere. In diesen Buch gibt es aber noch einen Erzähler, der Fußnoten nutzt. Auf vielen Seiten findet man in Fußnoten zusätzliche Informationen, die auf die Welt allgemein oder eine besondere Handlung eingehen. Einige sind kurz gehalten und sehr lustig, andere lang und etwas langatmig. Ja, ich gebe zu, dass ich ein paar Fußnoten nur überflogen habe, da mir die Haupthandlung in dem Moment einfach wichtiger war und sie mich sonst etwas herausgebracht hätten.

Insgesamt finde ich den Weltenaufbau einfach grandios. Es gibt viele Details, Mythen und Erzählungen, die diese Welt so spannend machen. Man möchte beim Lesen einfach immer mehr erfahren und ich bin begeistert, was sich der Autor hier alles ausgedacht hat. Im Buch gibt es auch Karten, die den Aufbau verdeutlichen.

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Und endlich mal ein Buch, das für ältere Jugendliche und Erwachsene gedacht ist. So etwas habe ich schon länger gesucht! Die ersten Seiten stimmen schon darauf ein. Es wird gemordet und das auch auf brutale Weise. Und es wird nicht mit Details gespart. Auch die Wortwahl und Ausdrucksweise zeigt oft, dass das hier kein Kinderbuch ist.

Ein weiterer Punkt, der das Buch zu einem meiner Lieblinge macht, ist die Protagonistin Mia. Sie ist eine Dunkelinn, hat besondere Kräfte und eine Schattenkatze. Wie cool ist das denn bitte?! Und sie ist mutig, stark und lässt sich von niemanden etwas einreden. Sie ist nicht naiv und das kommt meiner Meinung nach momentan selten in Büchern vor. Rachegelüste bringen sie dazu, den dunklen Pfad zu nehmen und sie geht dabei keinesfalls zimperlich vor. Sie ist keine Heldin, die wir aus anderen Büchern kennen. Denn sie möchte nichts Gutes tun. Mia flucht, gibt sarkastische Antworten und sagt immer ihre Meinung. In einigen Kapitel lernen wir mehr über ihre Vergangenheit, die sehr dunkel ist. Aber das macht Mia aus, denn nur so verstehen wir, warum sie so geworden ist.

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Aber auch die anderen Charaktere waren allesamt interessant und nicht nur oberflächlich beschrieben. Besonders Trick… Hach, Trick. Er ist schon ein ganz besonderer junger Mann, den man nur mögen kann. Viele der Schüler der Roten Kirche werden nur kurz erwähnt, andere sind im Handlungsverlauf wichtig und von jenen erfährt man dann auch mehr.

Was mir auch besonders gefallen hat, ist dass keine große Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Es entsteht zwar eine, aber eher nebenbei. Und hier muss ich auch anmerken, dass es auch sexuelle Darstellungen gibt. Wie gesagt, das Buch ist keins der üblichen Jugendbücher.

Die Geschichte in der Roten Kirche war sehr interessant zu lesen. Ich meine, wie oft hört man von einer Schule, die Mörder ausbildet? Die Schüler müssen dort einiges über sich ergehen lassen und die Lehrer gehen wirklich nicht zimperlich vor. Nur die Stärksten kommen voran und werden zu Klingen ernannt. Und die Stärksten müssen erstmal aus allen Schülern gefiltert werden… Ich musste oft mit den Charakteren leiden, war gespannt, wie sie die oftmals gemeinen und schockierenden Aufgaben meistern und musste auch mal wegen ein paar Toten trauern. Das Buch hat all meine Emotionen gefordert. Die Welt in Nevernight ist düster, auch wenn es drei Sonnen gibt. Es geht wirklich sehr brutal voran, das gefällt vielleicht nicht jedem.

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Weiterhin ist Kristoffs Schreibstil einfach sehr besonders. Er spielt mit den Worten, lässt den Leser im Dunkeln tappen, bis man die schreckliche Wahrheit erfährt. Ich wurde oftmals total überrascht dank einiger unvorhergesehener Wendungen und bin wirklich nicht selbst auf die Lösung gekommen. Die Geschichte ist bildgewaltig und spannend. Ich konnte das Buch oft nicht zur Seite legen. Auch ist das Buch sehr atmosphärisch, als Leser wird mit in diese gezogen und kommt so schnell nicht mehr in die Realität zurück. Trotz der Dicke des Buches (700 Seiten!) wird die Geschichte nicht langatmig oder langweilig. Immer passiert etwas und die Geschichte plätschert keiensfalls einfach vor sich hin. Das muss man mal schaffen.


fazitWie ihr vielleicht gemerkt habt, konnte mich das Buch einfach durch und durch überzeugen und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung! Wenn ihr Bücher abseits des Mainstreams mögt, dann lest Nevernight. Aber bereitet auch auf viel Blut, Gefluche und Kämpfe vor, die es in sich haben. Man verfolgt die Geschichte aber immer mit Spannung und möchte wissen, wie es weiter geht. Jay Kristoff hat eine Welt erschaffen, die der Leser wegen des Aufbaus, den Charakteren und den vielen Details einfach nur mögen kann.

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8 Kommentare zu „Rezension – Nevernight – Die Prüfung – Jay Kristoff

  1. Guten Tag,
    da es ja schon sehr dick aussieht und mich das Cover so garnicht anspricht habe ich noch einen Bogen um das Buch gemacht.
    Aber es hört sich sehr gut an. So als würde sich wieder ein Autor trauen was neues zu wagen und auch mal wieder abgedrehtere Fantasy zu schreiben. Mit neuen Wesen und nicht nur eine Sonne.
    Es hört sich toll an und ist genau mein Ding.
    Gruß
    Sabrina Wohlert
    von
    Die Buchdompteurin

    Gefällt 1 Person

    1. Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Meinungen sein können. Ich lese gerade Das Lied der Krähen und finde das etwas zu lang gezogen 😀 Aber dennoch finde ich es bisher wirklich gut 🙂

      Liebe Grüße
      Charline

      Gefällt mir

  2. Wow! Danke für die Rezension. Ich möchte das Buch unbedingt lesen und ich denke, dass es mir auch gefallen wird. Es gibt eigentlich so gut wie keine negativen Meinungen und ich möchte das Buch gerne lesen, hab jetzt aber gerade nicht das extrem starke Bedürfnis.

    Bin sehr gespannt.

    xoxo Vera

    Gefällt 1 Person

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