Rezension – Spiel der Macht – Marie Rutkoski

Spiel der Macht ist ein Buch, das von vielen sehr gut bewertet wurde, doch ich bin da anderer Meinung…


kalppentext

Als Tochter des ranghöchsten Generals von Valoria hat die siebzehnjährige Kestrel nur zwei Möglichkeiten: der Armee beizutreten oder jung zu heiraten. Aber Kestrel hat fürs Kämpfen wenig übrig; für sie ist die Musik das kostbarste Gut. Einem plötzlichen Impuls folgend ersteigert sie den Sklaven Arin, der sie auf unerklärliche Weise fasziniert. Schon bald muss sie sich eingestehen, dass sie mehr für ihn empfindet, als sie sollte. Doch er hat ein Geheimnis – und der Preis, den sie schließlich für ihn zahlt, wird ihr Herz sein …


meinemeinung

Auf Spiel der Macht habe ich mich schon sehr gefreut. Die Bewertungen sind super, das Buch klingt spannend und das Cover ist so wunderschön! Aber hier zeigt sich mal wieder, dass gute Bewertungen und ein schönes Cover nicht gleich bedeuten, dass einem das Buch auch gefällt.

Es gab einige Punkte, die mich an dem Buch gestört haben. Für mich war es ein typisches Jugendbuch, das nicht durch irgendwelche Details hervor sticht. Kestrel ist eine Tochter eines mächtigen Mannes, somit reich und verwöhnt, die eigentlich weiß was sie möchte. Sie möchte nicht in die Armee, da sie nicht gut kämpfen kann und auch nicht den nächstbesten Mann heiraten. Und warum auch immer kauft sich dann einen Sklaven. Das ist in Valoria normal und nichts besonderes. Das Land wurde besetzt und die Einwohner werden jetzt als Sklaven gehalten.

Und hier ist der erste ganz große Punkt, der mich stört: Es wird niemals darüber gesprochen, dass man keine Sklaven halten sollte! Und auch als sie sich in Arin, den Sklaven verliebt (darauf komme ich später nochmal zurück), macht sie sich keine Gedanken über die Sklaverei. Ich finde, es sollte wenigstens an einer Stelle mal angesprochen werden. Ja, sie ist damit aufgewachsen und kennt es nicht anders, aber bei einer Geschichte, die sich um eine Romanze mit einem Sklaven dreht, sollte man doch meinen, dass sie irgendwann dagegen ist und ihre Meinung reflektiert.

Nun zur ihrer Liebe zu Arin. Kestrel verliebt sich gefühlt viel zu schnell in Arin. Das ist ja oft so in solche Büchern, die insta love. Sie reden sehr wenig miteinander, dennoch hegt sie sofort Gefühle für ihn. Im späteren Verlauf wird Kestrel eine Gefangene und dann kommt es meiner Meinung nach zu etwas Vergleichbarem mit dem Stockholm Syndrom. Trotz der Gefangennahme, trotz dass ihr wichtige Menschen getötet werden, sympathisiert sie immer noch mit Arin und den anderen. Was ist das denn für eine Botschaft? Liebe geht über alle Hindernisse, wie dass der, den ich liebe, meine Freunde umbringt? Sie nimmt ihm das nicht mal wirklich übel.
Kestrel lässt sich von Arin beeinflussen und hat einfach keine eigene Meinung. Es ist halt der so schöne Arin, dem kann man wohl nicht böse sein.

Auch dass Arin, der jahrelang ein Gefangener war, Kestrel festhält, obwohl er sie augenscheinlich liebt, kann ich nicht verstehen. Er sollte seiner Geliebten so etwas doch nicht gleich tun oder antun wollen. Er weiß doch, wie sich so etwas anfühlt, seinen eigenen Willen genommen zu bekommen.

Kestrel versucht zwar zu fliehen, aber nicht wirklich. Sie findet immer Ausreden, um dort zu bleiben und redet sich Gründe ein, warum sie nicht fliehen sollte. Um nämlich bei Arim, ihrem Entführer zu bleiben.

„Obwohl sie seinen Garten mit dem Gedanken an Flucht betreten hatte, wusste sie, als sie Arins Schatten sah, dass sie in Wahrheit gekommen war, um bei ihm zu sein.“

„Ein Feuer war zu gefährlich. Es könnte sie töten. Sie sagte sich, dass das der Grund war, warum sie die Kienspäne zurück zum Kamin trug und wieder in das Kästchen fallen ließ.“

Für mich ist Kestrel keine starke Protagonistin, keine an die ich mich erinnern werde. Sie ist nicht anders, als die anderen Bewohner Valorias. Sie selbst hat einen Sklaven gekauft und findet das normal. Sie wächst nicht über sich hinaus oder lernt dazu, sondern tut alles nur in Gedanken an Arin (der sie als Gefangene hält). Ihr ist egal, dass Sklaven gehalten werden, sie macht sich keine Gedanken darüber. Auch nicht, als sie das alles selbst erlebt. Ich meine, Kestrel denkt egoistisch und alles außer Arin und sie selbst scheint ihr egal zu sein.
Auch erfahren wir nie mehr darüber, wie es den Sklaven wirklich geht, was sie erlebt haben. Es scheint nur ein Mittel zum Zweck zu sein. Dem Zweck der „ach so romantischen Geschichte von zwei Menschen, die sich nicht lieben dürfen, es aber tun“. Obwohl die Valorianer als die Sklavenhalter beschrieben werden, müssen sie ja noch liebenswert erscheinen, warum sollte das Buch denn sonst gelesen werden? Stattdessen werden die Sklaven als die Bösen dargestellt, die Menschen töten und eine Revolte beginnen. Und das sicherlich aus guten Grund, aber den erkennt Kestrel nicht.

An einer Stelle muss Kestrel die Füße von jemanden waschen und sie findet es so schrecklich und ist so wütend und droht ihm sogar. Und nicht mal da denkt sie darüber nach, wie sich ihre eigenen Sklaven fühlen mussten und dass es wirklich Grund zu einer Revolte gab. Nein, die Sklaven sind ja immer noch die bösen.

Ihr seht, ich habe ganz schön viele Probleme mit Spiel der Macht und kann es einfach nicht empfehlen. In der Geschichte läuft zu viel falsch und ich verstehe nicht, warum es so viele gute Bewertungen erhalten hat. Kestrel lernt nicht dazu, sie denkt wohl immer noch, sie wäre im Recht. Am Ende tut sie sogar noch etwas richtig Schlimmes; an der Stelle wollte ich das Buch am liebsten gegen die Wand werfen.

Ja, das Buch soll romantisch sein und der politische Teil soll wohl eher im Hintergrund laufen. Aber wie ich erwähnt habe, finde ich auch, dass es an der Liebesgeschichte einiges zu kritisieren gab. Die Botschaft des Buches ist einfach falsch. Ich finde besonders die Betrachtung der Sklaven problematisch. Es ist ein heikles Thema, das man nicht einfach so in seine Geschichte einbauen sollte (weil voll romantisch und so), wenn man nicht viel recherchiert oder einer marginaliseren Gruppe angehört. Und besonders nicht wie die Autorin es gemacht hat.


fazit

Spiel der Macht ist ein typisches Jugendbuch, mit einer Liebesgeschichte, die man aus vielen anderen Büchern kennt. Jedoch hebt sich das Buch dadurch ab, dass so viel darin falsch läuft, vieles problematisch ist und ich beim Lesen oft nur Unverständnis aufzeigen konnte. Ich kann es definitiv nicht empfehlen.


Weitere Infos

Titel: Spiel der Macht
Autorin: Marie Rutkoski
Verlag: Carlsen
Übersetzerin: Barbara Imgrund
Seitenanzahl: 368

Band 1 von 3

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8 Kommentare zu „Rezension – Spiel der Macht – Marie Rutkoski

  1. Liebe Charline,
    ei, ei ei. Das Buch habe ich auf meine Liste gesetzt, mochte Klappentext & Leseprobe und wollte es mir nächste Woche kaufen. Aber gut, dass ich deine Rezension gelesen habe! Vielen Dank dafür. Ich werde mir das Geld sparen und es irgendwann mal lesen, um zu sehen, wie ich das empfinde. Aber Insta Love finde ich ganz schlimm und auch die von dir beschriebene Situation mit dem „nicht abgeneigt sein“ zum Entführer..da kriege ich eine Gänsehaut. Das mit dem Sklaven finde ich so erstmal nicht schlimm, weil es für die Protagonistin keinen Grund gibt, darüber zu reflektieren, wenn sie das nur so kennt. Aber um das Thema besser beurteilen zu können, müsste ich selbst das Buch lesen. Das mache ich irgendwann, erst recht um zu sehen, wie ich das Buch finde und ob ich dir überall zustimme.
    Liebe Grüße,
    Yvonne :)

    1. Liebe Yvonne,
      vielen Dank für den Kommentar! Ich finde es gut, dass du das Buch trotzdem selbst nochmal lesen möchtest. Geschmäcker sind ja doch verschieden. :) Für mich war es wirklich gar nichts :D. Und ja an sich muss sie nichts gegen die Sklaverei haben, ich fand es aber schade, dass sie auch nicht wirklich anders darüber denkt, als sie es selbst erlebt.
      Liebe Grüße
      Charline

  2. Das ist wieder so ein Beispiel dafür, dass Literatur für Jugendliche als minderwertige Literatur gilt, wo manch Amateur-Autor denkt, auf diesem Niveau könne er auch schreiben. Ich bin der Ansicht, dass Jugendliteratur qualitativ nicht minderwertiger sein darf als sonstige Literatur auch. Ich danke dir für die sehr unterhaltsame, weil kritische Rezension.

    1. Hallo Jens,
      ja, ich finde auch, dass Jugendbücher auch kritisch mit bestimmten Themen umgehen sollte. Jugendliche sollten auch Büchern ja auch etwas mitnehmen. Unterhalten werden sie ja trotzdem.
      Danke für den Kommentar!
      Viele Grüße
      Charline

  3. Hey Charline,

    Danke für deine ehrliche und umfassende Rezension. Ich hatte das Buch, genau wie Yvonne, auf der Liste, doch ich kann deine Argumente so gut verstehen und sehe mich selbst beim Lesen ähnlich mit dem Kopf schütteln, das ich es wohl vorerst nicht kaufen werde. Das sind Themen, die für mich mit 14 vielleicht kein Problem gewesen wären, aber jetzt finde ich auch, das manches in Büchern auch für die Jugend, ruhig umfassender beschrieben werden könnte.

    Liebe Grüße
    Ella ❤

    1. Hallo Ella,
      danke für deinen Kommentar :) Ja ich merke, dass ich heute anders Bücher lese als mit 14. Ich gehe kritischer an die Bücher ran. Und ich finde, dass auch Jugendbücher mit bestimmten Themen kritisch umgehen sollte, denn die Leser sollen aus Büchern auch etwas mitnehmen. Unterhaltend können sie ja trotzdem sein.
      Liebe Grüße
      Charline

  4. Hallo Charline,
    vielen Dank für diese ehrliche Rezension. Ich liebäugle schon länger mit diesem Buch, aber jetzt überlege ich es mir nochmal. Schade eigentlich, weil die Aufmachung vom Buch wirklich toll aussieht, aber diese insta Liebe geht mir mittlerweile sehr auf die Nerven und eine Protagonistin, die nur noch einen Kerl im Kopf hat und sonst nichts mehr, geht mal gar nicht.

    Liebe Grüße

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