5 Bücher, die sich um die Psyche drehen

Heute möchte ich euch fünf Bücher vorstellen, die von psychischen Krankheiten handeln. Krankheiten nehmen ja öfter eine Rolle in Büchern ein, doch sind es oft körperliche Beschwerden. Die Psyche wird auffallend oft Thrillern behandelt. Darin wird den bösen Charakteren öfter mal eine psychische Krankheit „verpasst“. Ich möchte euch heute Bücher (keine Thriller) vorstellen, in denen der Protagonist psychisch erkrankt ist und somit eine andere Perspektive aufgezeigt wird.

Die wundervolle Basbi von BlueSiren hat über den Unterschied zwischen den psychischen Erkrankungen in der Literatur und der Realität einen Vortrag gehalten und einen Beitrag geschrieben, sehr lesenswert!

Die Bücher, die ich euch heute vorstelle, sind aus dem Bereich der Belletristik.

Es sind keine Fachbücher, keine Ratgeber und kein Ersatz für professionelle Hilfe.

Ich kann auch nicht garantieren, dass die Krankheiten wahrheitsgetreu dargestellt worden sind, da ich selbst nicht unter jeder der genannten Krankheiten leide und mich nicht mit jeder ausreichend befasst habe. Bei jedem Menschen zeigt sich eine Krankheit ja auch durch andere Symptome und sie wird anders wahrgenommen.
Ich selbst lese ja auch gerne Thriller und könnte dutzende Bücher vorstellen, in denen die Böse Figur durch eine psychische Krankheit angetrieben wird. Jedoch finde ich es auch wichtig, dass die Charaktere in den Büchern nicht nur als die Bösen dargestellt werden, sondern dass auch aufgezeigt wird, wie ihr Leiden ihnen selbst Steine in den Weg legt und wie sie sich damit fühlen. Psychische Krankheiten werden leider oft noch als etwas unwichtiges gesehen, Depressive seien ja „nur traurig“ und sollen sich mal zusammen reißen, oder man möchte nur nach Aufmerksamkeit haschen.

Ich möchte euch heute fünf Bücher vorstellen, in denen das Gegenteil dargestellt wird. Die Krankheit wird in Hinblick auf den Betroffenen selbst, die Gesellschaft und ihr Denken darüber aufgezeigt. Sie wird für den Leser verständlicher gemacht. Man weiß nie, warum Menschen so handeln, wie sie handeln und in den Büchern wird es aus der Sicht der Betroffenen erzählt und dadurch auch ein anderer Blickwinkel aufgezeigt.

Psychische Erkrankungen müssen ernster genommen werden und den Betroffenen müssen mehr Chancen gegeben werden, sich Hilfe zu suchen. Sie sollen keine Angst davor haben müssen, nicht ernst genommen zu werden.

Warnung, die folgenden Bücher können triggern! Sie beinhalten psychische Erkrankungen und manche auch Themen wie Missbrauch und Suizid.

Falls ich ein Buch rezensiert habe, dann habe ich die Rezension im Titel verlinkt.


Von der Wahrscheinlichkeit, dass es dich nicht gibt – Francesca Zappia

wahrscheinlichkeitDas Buch behandelt die Schizophrenie. Einige verwechseln diese Krankheit mit der multiplen Persönlichkeitsstörung. Babsi erklärt im oben verlinkten Beitrag den Unterschied. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Alex hat Schizophrenie und Halluzinationen und kann diese oft nicht von der Realität unterscheiden. Sie hört Stimmen und sieht Dinge, die nicht da sind. Dann trifft sie einen Jungen wieder, von dem sie gedacht hat, dass er nur eine Halluzination gewesen sei…
In dem Buch werden mehrere Aspekte vereint: Ein kleiner Krimi, die Schizophrenie, Coming of Age und Humor. Mich hat das Buch gut unterhalten.


Was ist schon normal? – Holly Bourne

IMG_20180702_154600_653.jpgDieses Buch ist eines meiner neuen Lieblingsbüchern. Es handelt von Zwangsneurosen, mit denen ich mich etwas besser auskenne. Mit Evie konnte ich mich gut identifizieren. Sie leidet unter Zwangsgedanken und -handlungen. Sie hat Angst vor Krankheiten und Keimen, kennt sich mit den seltensten Krankheiten aus, muss sich sehr lange die Hände waschen, Dinge drei Mal antippen und vieles mehr. Diese Verhaltensweisen werden im Buch genau erläutert, außerdem begleitet der Leser Evie zur Therapie und lernt, was es genau mit dieser Krankheit auf sich hat.

„Psychische Krankheiten packen dich am Bein und verschlingen dich trotz aller Gegenwehr mit Haut und Haaren.“

Ich finde, dieses Buch zeigt großartig, das Leben mit einer psychischen Störung und der Reaktion der Gesellschaft darauf, auf. Man kann nicht einfach aufhören, sich die Hände zu waschen. Und ja, bei manchen Krankheiten ist die Chance sehr gering, sie zu bekommen. Dennoch kann man sie bekommen und deshalb Angst davor haben.
Neben der Zwangsstörung handelt das Buch von Feminismus und einer unglaublich tollen Freundschaft. Dieses Buch gibt so viel und sollte unbedingt gelesen werden!


Vielleicht passiert ein Wunder – Sara Barnard

Dieses Buch handelt von einer ganz speziellen Störung, nämlich dem selektiven Mutismus. Steffie leidet unter einen sozialen Angststörung, Panikattacken und kann nicht in der Öffentlichkeit sprechen. Außerdem ist sie ungern an Plätzen mit vielen Menschen.

vielleichtpassierteinwunder

„Seltsamerweise dreht sich bei psychischen Problemen alles darum, den „Grund“ zu verstehen.“

Ich finde dieses Buch geht sehr gut auf psychische Krankheiten und dem Leben damit ein. Das Buch zeigt auf, wie es ist, eine Angststörung zu haben und erklärt einiges, was Außenstehende vielleicht nicht verstehen.

„Die Sache mit der Angst ist: Sie ist nicht rational. Sie ist nicht rational, aber trotzdem real, und ich fürchte mich immer noch vor ihr, und das ist okay.“

Denn psychische Störungen werden leider nicht immer ernst genommen, die Angst wird verharmlost, obwohl sie für den Betroffenen alles außer harmlos ist. Auch wenn man Steffies Störung nicht hat, konnte man sie verstehen und überdenkt vielleicht seine Ansichten. Sie und ihr Leiden wirken sehr authentisch.


Sieh mir in die Augen, Audrey – Sophie Kinsella

Dieses Buch habe ich vor längerer Zeit gelesen und weiß noch, dass es mir gut gefallen hat. Zu diesem Buch habe ich sehr gemischte Kritiken gelesen, einige sagen, die Angststörung wurde gut dargestellt, andere waren da ganz anderer Meinung.
Das Buch handelt von sozialen Ängsten und im Buch dadurch dargestellt, das Audrey das Haus nicht verlässt und Angst hat, mit anderen zu reden. Audrey kann anderen nicht in die Augen schauen und trägt aus diesem Grund immer eine Sonnenbrille. Außerdem hat sie Panikattacken. Sophie Kinsella ist für ihre humorvollen Bücher bekannt und auch dieses Buch ist sehr lustig. Die Angststörung ist in eine Geschichte rund um eine sehr verrückte Familie gepackt, von der Audrey auf Anraten ihren Therapeuten einen Film drehen soll. Außerdem trifft sie ihre erste großen Liebe und es wird dargestellt, wie sich ihre Angst auf diese auswirkt.


Das also ist mein Leben – Stephen Chbosky

Dies ist eins der bekanntesten Bücher auf meiner Liste, welches auch verfilmt wurde (mit der wundervollen Emma Watson). Im Buch wird nicht genau gesagt, was genau Charlie hat, aber die Anzeichen deuten auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Ich möchte nicht zuviel vorwegnehmen. Charlie, der als der introvertiert erscheint, hat etwas in der Vergangenheit erlebt, das er verdrängt hat. Erst durch einige Erlebnisse wird mit der Zeit klar, was ihm passiert und wie es sein Leben unbewusst beeinflusst.  Immer wieder hat er Blackouts und Ängste und wie es scheint depressive Schübe. Das Buch handelt weiterhin von dem normalen Teenagerleben, die erste Liebe, Freundschaften, dem Wunsch, irgendwo dazuzugehören und die ersten Erfahrungen mit Alkohol, Drogen und Sex. Das alles ist in einen Briefroman gepackt und diese Briefe sind sehr emotional. Außerdem handelt es von Freundschaften und davon, ein Außenseiter zu sein. Das Buch sowie den Film halte ich für sehr empfehlenswert!


Falls ich etwas falsch dargestellt habe, weist mich bitte darauf hin. Kennt ihr noch andere Bücher dieser Art? Und kennt ihr meine aufgelisteten Bücher?

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7 Kommentare zu „5 Bücher, die sich um die Psyche drehen

  1. Hallo Charline,

    danke für die schöne Auswahl an Büchern mit psychologischen Hintergrund. Ich habe zwar schon ein paar der Bücher gesehen, aber gelesen leider noch keins. Ich traue mich meist nicht, etwas zu lesen, wo ich mich vielleicht selbst wieder finde.

    Ich habe daher nur Bücher gelesen, bei denen es darum geht den Körper auf zu bauen. Wie „Die Chroniken der Windträume“ von Jando, wo es darum geht das mehrere Mitglieder einer Familie den Wind befragen, wie sie ihr Leben führen sollen, da sie es allen recht machen wollen. Das Buch zeigt, wie sehr man seine eigenen Wünsche wahrnehmen soll.

    Das 2. wäre “ Niemand“ von Nicole Rensmann, welches ein Märchen für Erwachsene ist und in dem es um „Niemand“ geht, welcher das Niemandsland regiert und erst durch Nina zu einem Jemand wird, da sie an ihn glaubt und seine langverschollene Persönlichkeit zurück bringt. Hier fand ich es zudem sehr schön, das man mit Redewendungen und Floskeln arbeitete und man dadurch z.B. Trauerklöße treffen konnte, die einen in den Hals springen, um dann der sprichwörtliche „Kloss im Hals“ zu werden.

    Danke für deinen schönen Beitrag.

    Liebe Grüße, Anja

  2. Hallo Charline, ich finde deinen Beitrag wirklich richtig toll und wichtig! Das sind alles Bücher, die man mal gelesen haben sollte und ich konnte mir selbst 2 notieren, die ich noch gar nicht kannte. Es ist oft schwer die Krankheiten, die nicht „körperlich ersichtlich“ sind wirklich ernst zu nehmen. Umso wichtiger ist es, sich über solche Themen zu informieren!
    Nochmals ein grosses Lob für diesen Beitrag.
    Alles Liebe <3

  3. Hallo Charline,

    was für ein schöner Beitrag!
    „The perks of being a wallflower“ (Das also ist mein Leben) zähle ich zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und auch die Verfilmung finde ich unglaublich schön und gelungen!
    „Was ist schon normal“ steht schon länger auf meiner Wunschliste und jetzt sind noch mehr dazu gekommen 🙂 besonders „Von der Wahrscheinlichkeit dass es dich nicht gibt“ hört sich für mich total spannend an und ich habe gerade zum ersten Mal davon gehört…Danke dafür und für die schöne Zusammenstellung 🙂

    Liebe Grüße
    Ricy

  4. Hey Charline,

    Die letzten beiden Bücher habe ich auch gelesen, „Das also ist mein Leben“ hat mir unglaublich gut gefallen und „Schau mir in die Augen Audrey“ war auch recht witzig und gut geschrieben. Die anderen drei kenne ich nicht, aber hören sich alle interessant an. Ein wirklich toller Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Jessi

  5. Danke für den schönen Einblick. Meine Schwester hat auch psychische Probleme und es ist oft schwierig mit ihr. Das Thema geht mir deshalb persönlich sehr nahe und ist für mich sehr interessant. Die vorgestellten Bücher klingen für.

    Liebe Grüße
    Anna

  6. Ich empfehle noch „Ich und die anderen“ von Matt Ruff. Die Hauptfigur hat viele verschiedene Persönlichkeiten und hat in einer Therapie gelernt, wie er mit diesen umgehen kann. Dabei kommt immer mal eine andere Persönlichkeit dran, den Körper zu steuern – und es wird lustig, berührend oder beängstigend. Ist eine Weile her, dass ich es gelesen habe, aber der Eindruck blieb.

Ich freue mich über einen Kommentar!

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