Rezension – Wie man die Zeit anhält – Matt Haig

Schon lange wollte ich ein Buch von Matt Haig lesen. Ich und die Welt und Ziemlich gut Gründe am Leben zu bleiben stehen sogar schon länger in meinem Regal. Als ich den Klappentext von Wie man die Zeit anhält gelesen habe, wusste ich, dass dieses Buch sofort gelesen werden muss.


kalppentext

Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles.

Quelle: dtv


Zeitreisen fand ich schon immer spannend. In diesem Buch geht es aber nicht wirklich um Zeitreisen an sich. Der Protagonist Tom reist nicht durch die Zeit, sondern lebt einfach extrem lange. Über 400 Jahre ist er alt und hat demnach natürlich schon viel erlebt und mitgemacht. Da er sich auch bedeckt halten muss (wenn jemand nach zehn Jahren nicht gealtert ausschaut, wird man als Nachbar schon stutzig), muss Tom oft umziehen. Somit sieht er auch viel von der Welt und wir als Leser „reisen“ nicht nur durch die Zeit, sondern auch um die Welt.

Die Geschichte spielt in verschiedenen Zeitaltern, meist um 1600, 1900 und in der Gegenwart. Dies waren Punkte in Toms langem Leben, in denen wichtige Dinge passiert sind und er besondere Personen getroffen hat. Tom reflektiert oft die Vergangenheit und erinnert sich an seine Jugend und gibt auch preis, dass es damals nicht besser war als heute. Die Menschheit hat schon immer große Fehler begangen und wiederholt sie immer wieder. Wenn auch auf andere Weise. Überraschen kann Tom nichts mehr wirklich. Das besondere an den Kapiteln in der Vergangenheit ist, dass auch prominente Menschen dort auftauchen mit denen man gar nicht gerechnet hat. Mit Shakespeare hat Tom zum Beispiel einiges erlebt.

Die Geschichte handelt von vielen verschiedenen Momenten eines Lebens, wie der Geburt, der ersten Liebe, des Krieges, des Verliebtseins, der Berufe, der Freundschaft, der Trauer, der Wut, der Ängste, der Einsamkeit und so viel mehr. Das Buch ist wirklich abwechslungsreich, wirkt aber dennoch immer authentisch und nicht überladen. Die vielen verschiedenen Epochen machen das Buch zu einem sehr spannenden und auch interessanten Leseerlebniss.

Tom ist ein ganz besonderer Charakter, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Man kann spürt in jeder Zeile seine Ängste, Einsamkeit und Träume. Geliebte Menschen von ihm sind schon vor Jahrhunderten gestorben, doch vergessen kann er sie nie. Wie er so über das Leben nachdenkt, taucht man in seine Erinnerungen ein und fühlt sofort mit ihm. Haig hat hier einen ganz besondere Person erschaffen, in der sich bestimmt viele Menschen wiedererkennen, wenn auch auf eine ganz andere Weise. Der Autor litt selbst an Depressionen und man erkennt, dass er seine Gefühle hier verarbeitet hat. Die Einsamkeit, trotz der Menschen um ihn herum; nicht zu wissen, wie man weiter leben soll.

Auf ganz besondere Art spricht Haig in diesem Buch über das Leben, dem Sinn dahinter und was es überhaupt ausmacht. Es wird klar, dass auch ein langes Leben nicht wirklich Klarheit schafft. Man muss sein Leben einfach leben. Sich auch über die kleinen Dinge im Leben freuen und auch mal etwas wagen. Das Buch ist stimmt keinesfalls nur nachdenklich und traurig, sondern es gibt auch so viel das einem zum Lächeln bringt.

Haig hat einen ganz besonderen Schreibstil und schafft es, mit wenigen Worten ganz viel Wichtiges auszudrücken. Als Leser wird man nachdenklich. Beim Lesen kann man lachen, weinen, sich ärgern und selbst in Erinnerungen schwelgen. Die ganze Stimmung im Buch ist melancholisch und man verliert sich in der Geschichte und möchte gar nicht mehr auftauchen. Haig nutzt seine Geschichten als Metaphern für wichtige Aussagen und Gedanken über das Leben. Man muss hier auch zwischen den Zeilen lesen. Es ist eine tiefgründige Geschichte über das Leben und was das überhaupt bedeutet. Und wer kann sowas besser erzählen als ein Mann, der 400 Jahre gelebt hat?

Dieses Buch kann und sollte jeder lesen. Durch die Themenvielfalt wird ein Leser jedes Alters wichtige Dinge daraus für sich entdecken. Ich denke auch, dass man das Buch immer wieder lesen kann und dies dann auf eine andere Weise tut.


fazitWie man die Zeit anhält ist ein wunderschöner Roman, der von der Frage des Lebens handelt. Die Geschichte berührt einem beim Lesen und man wird noch lange über das Buch nachdenken, nachdem man es beendet hat.


Allgemeine Infos

Titel: Wie man die Zeit anhält
Autor: Matt Haig
Verlag: dtv
Übersetzerin: Sophie Zeitz
Seitenanzahl: 384

 


Weitere Rezensionen

Jules Leseeecke | Buchstabenträumerei | KeJas BlogBuch

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